Artgerechte Haltung

Über eine artgerechte Haltung wird es wohl immer Diskussionen geben, da es zu dem Thema viele verschiedene Meinungen gibt. Für uns steht aber fest: Wir wollen nur das Bestmögliche für unsere Tiere! Darum listen wir hier auf, was unserer Meinung nach zu einer artgerechten Rattenhaltung gehört und absolut indiskutabel ist.

1. Ratten sind Rudeltiere

Da Ratten einen sehr ausgeprägten Sozialsinn haben, kann Paar- bzw. Einzelhaltung bei Ratten zu schwerwiegenden Verhaltensstörungen führen! Die Tiere werden aggressiv gegenüber Artgenossen (weil sie in Paarhaltung keine Rangordnung festlegen können) aber auch gegenüber ihren Besitzern: Stichwort „Revier- oder Angstbeißer“.
Außerdem sind die Tiere durch diese Art der Haltung dauergestresst, werden depressiv und fangen mit unter an sich selbst zu verstümmeln. Deshalb gilt: Ratten müssen mindestens zu dritt gehalten werden! Ein Mensch kann niemals einen Artgenossen ersetzen, auch wenn er sich noch so viel mit seinem Tier beschäftigt.

2. Der richtige Käfig

Die Größe des Käfigs sollte an die Anzahl der darin lebenden Ratten angepasst sein. Hierbei gilt: Je größer, desto besser. Die Mindestmaße für eine artgerechte Unterbringung von 3 Tieren sollte 100x50x100 (HöhexTiefexBreite) nicht unterschreiten.
Ein großer Fehler den immer noch viele (meist unerfahrene oder schlecht beratene) Rattenhalter machen, ist die Tiere in Aquarien oder sogenannten Nagarien zu halten. Die geringe Luftzirkulationen in dieser Art von Behausung ist nicht für die empfindlichen Atemwege der kleinen Nager geeignet. Das sich im Urin der Tiere befindliche Ammoniak lagert sich zu stark in der Atemluft ab und schlägt den Ratten so sehr auf die Atemwege, dass es schnell zu chronische Erkrankungen von Lunge und Bronchien kommen kann. Als artgerechte Rattenbehausung eignet sich z.B. eine Voliere mit Volletagen aus Holz oder Siebdruckplatten. Diese sollten jedoch durch die gesammte Breite des Käfigs gehen um einen Sturz der Nager aus zu großen Höhen zu verhindern.
Abzuraten ist jedoch von den ab und an in den Käfigen enthaltenen Gitterebenen, diese bergen hohe Verletzungsrisiken wie Beinbrüche oder Entzündungen der Füßchen (=> Bumblefoot) und sind daher als Ebenen nicht zu empfehlen. Für handwerklich geschickte Rattenhalter kann auch ein Eigenbau bzw. ein umgebauter Schrank die optimale Lösung für das Rattenheim sein, das Holz sollte dann aber am besten mit so genanntem „Sabberlack“, also ungiftigem Lack für Kinderspielzeuge lackiert werden, um ein einziehen des Urins in das Holz zu verhindern. Den Lack erhält man mitlerweile in jedem Baumarkt.

3. Die richtige Einrichtung

Im Prinzip kann man seiner Phantasie beim Käfig einrichten freien Lauf lassen. Egal ob Schuhkartons, Holzhäuser, Hängematten, Kuschelhäuschen, Tunnel oder Brücken, je mehr Abwechslung desto wohler fühlen sich die kleinen Stinker. Auch Plastikröhren oder Häuschen sind in den meisten Fällen kein Problem, man sollte jedoch darauf achten das die Tiere diese nicht anfressen. Meist sind die kleinen Monster nämlich nur aufs pure Zerstören der Einrichtung aus, es soll aber auch Nasen geben, die nicht nur knabbern sondern das Plastik wirklich fressen, in diesem Fall ist von derartiger Einrichtung natürlich abzusehen.
Als Futternapf sollte man am Besten einen von der schweren Variante nehmen, da sich die kleinen beim Futtern gerne auf den Rand setzten und den Napf so leicht umkippen könnten. Zum Trinken sind Nippeltränken die Beste Methode, da man so sicher stellen kann, das das Wasser stehts sauber und nicht durch Futter, Streu oder auch Exkremente (ja manchmal sind Ratten kleine Pottsäue) verunreinigt ist.
Abssolutes „No – Go“ im Rattenkäfig ist das Laufrad! Da der Rattenschwanz die Verlängerung der Wirbelsäule der Tiere ist und dieser durch das Laufen in einem Laufrad in eine unnatürliche, gekrümmte Haltung gerät, kann dies zu bösen Bandscheibenvorfälle oder starken Fehlstellungen bei den Vierbeinern führen. Außerdem riskiert man Quetschungen an Pfoten und Schwanz seiner Lieblinge!

4. Der richige Umgang

Ratten sind sehr intelligente und einfühlsame Lebewesen. Sie lernen schnell und gerne und haben ein eben so großes Schmerzempfinden wie wir Menschen. Ein absolutes Tabu im Umgang mit ihnen ist, sie am Schwanz festzuhalten oder gar daran hoch zu heben. Ihr Schwanz ist eine Verlängerung der Wirbelsäule und einer der schmerzempfindlichsten Körperstellen einer Ratte!

Eine Farbratte gehört NICHT nach draußen! Meist meint man es als Besitzer nur gut, aber einer der größten Fehler ist es, seine Ratte mit nach draußen zu nehmen. Ratten leiden unter Neophobie, das bedeutet, sie haben Angst vor Neuem. Somit ist das Herumtragen draußen für das Tier purer Stress.
Neue Gerüche, fremde Geräusche, alles ist größer als man selbst, wer würde da keine Angst bekommen? Das zu grelle Licht der Sonne blendet und schädigt die empfindlichen Augen der Tiere. Der Wind reizt die Atemwege und kann aufgrund von fehlendem Unterfell schnell (chronischen) Schnupfen hervorrufen. Ist eine Ratte draußen ist sie ebenso wie Hunde und Katzen Zielscheibe für Flöhe, Zecken, Würmer, Milben und andere Parasiten, die so die Möglichkeit bekommen schnell ein ganzes Rudel zu befallen. Das Tier was man eigentlich doch so gut kennt und nie von der Schulter gewichen ist, hat auch mal einen schlechten Tag, ein falsches Geräusch, ein Schatten, eine falsche Bewegung und der Liebling erschreckt sich und läuft weg, das ist nun mal ihr Instinkt. Und jetzt ist der kleine Vierbeiner in noch viel größerer Gefahr, Fressfeinde, Autos, Rattengift in Wohnorten…Warum will man sich und dem Tier so einen Stress antun?
Ratte ist nicht gleich Ratte, Farbratten sind keine Wildratten. Sie unterscheiden sich nicht nur äußerlich, sondern auch genetisch von einander. So vertragen nicht beide Rassen die gleiche Ernährung und schon gar nicht die gleiche Witterung und Umwelteinflüsse. Also bitte, tut es den kleinen nicht an, nehmt eure Ratte NICHT mit nach draußen!

5. Beschäftigung

Ratten sind äußerst intelligente und neugierige Tiere, daher gehört zu einer artgerechten Haltung auch die ausreichende und abwechslungsreiche Beschäftigung der kleinen Fellkugeln.

Ausreichende Bewegung

Ratten brauchen nicht um sonst viel Lauffläche in ihrem Zuhause. Sie lieben es zu rennen, sich gegenseitig zu jagen, zu springen und zu klettern. Logischerweise ist eine reine Käfighaltung daher nicht artgerecht für die kleinen Nager. Die nötige Bewegung sollten die Tiere in einem täglichen Auslauf bekommen, der mindestens 1-2 Stunden, besser noch 3-4 Stunden betragen sollte. So soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, einen gesicherten Bereich außerhalb ihres Käfigs zu erkunden und sich auszutoben. Beim Einrichten des Auslaufs sind dem Besitzer mal wieder keine Grenzen gesetzt, je mehr es für die kleinen Racker zu erkunden gibt, desto besser. Wichtig: Der Auslauf sollte in einem gut gesicherten Bereich stattfinden, das heißt, die Tiere sollten diesen Bereich nicht unbeaufsichtigt verlassen können und es ist darauf zu achten, dass Gefahren wie Steckdosen, (giftige) Zimmerpflanzen, offene Fenster, Aschenbecher, andere Haustiere etc. Für die kleinen vom Auslauf aus nicht zu erreichen sind.

Zur Beschäftigung der kleinen Fellnasen gibt es unzählige Möglichkeiten, Raschel- oder Buddelkisten mit Futter darin, Katzenangeln denen man hinterher jagen kann, Kletterbäume, Abenteuer Parcours und und und. Auch Intelligenzspielzeug für Hunde kommt bei vielen Nasen gut an und kann prima als Beschäftigung herhalten. Manche Rattenhalter bringen ihren Tieren auch, ähnlich wie Hunden, Tricks und Kunsttücke z.B. durch Klickertraning bei.  Ganz gleich wie man seine Nasen nun Beschäftigt, wichtig ist einzig und allein das es abwechslungsreich bleibt und die Tiere sich nicht langweilen.

 

Werden all diese Sachen beherzigt, so steht dem Einzug neuer kleiner Familienmitglieder nichts mehr im Wege ❤